Dienstag, 4. Februar 2014

If you pay peanuts …

Beim Stöbern in Projektangeboten, die in den einschlägigen Netzwerken und Projektbörsen angeboten werden, bin ich auf ein Angebot aufmerksam geworden, das ich sehr interessant fand. Die Ausschreibung umfasste die folgenden Merkmale (Auszug):

  • Gewährleistung eines verlässlichen und kosteneffizienten Betriebs der vorhandenen MS SQL Server- Systeme
  • Spezialkenntnisse im Bereich MS SQL Server
  • praktische administrative Erfahrungen im 2nd und 3rd Level Support für MS SQL Server
  • Gute Kenntnisse der MS SQL Server Architektur und Administration, möglichst einschließlich spezieller Features wie Log Shipping, Replikation, DB Mirroring, Cluster und DTS/SSIS

Die Anforderungen klangen interessant und so habe ich bei der Projektagentur angerufen um weitere Informationen zu diesem Projekt zu erhalten. Der Ansprechpartner war nett und erzählte, wie toll es doch sei, für “den Kunden” zu arbeiten und das man viel Wert auf langfristige Engagements und Leistungsbereitschaft lege. Prima – hörte sich toll an! Irgendwann fragte man nach meinen Qualifikationen und ich erzählte, dass ich einer von wenigen MCM (Microsoft Certified Master) in Deutschland und MVP (Microsoft Valued Professional) sei und mich professionell mit der Optimierung als auch dem Betrieb / Architektur von Hochverfügbarkeitslösungen und Desaster Recovery beschäfte. Leider musste ich dann – wie doch recht häufig – dem Mitarbeiter der Projektagentur erläutern, was die Zertifizierung “MCM” bedeutet und welche technischen Anforderungen an das Bestehen geknüpft sind. Anschließend kam dann die – überraschende – Antwort: “Oh, da werden Sie dem Kunden sicherlich zu teuer sein – der Kunde sucht einen JUNIOR DBA”. Das Gespräch wurde dann doch recht schnell beendet – den angebotenen Stundensatz möchte ich hier nicht publizieren; es wäre eine Beleidigung für alle engagierten DBA, die Leistungsbereitschaft zeigen.

Höchste Ansprüche…

Die Anforderungen in der Projektbeschreibung mit einem “Junior DBA” abzudecken, ist meines Erachtens grob fahrlässig. Damit ist weder dem Kunden noch dem potentiellen Kandidaten gedient.  Wer sich nur ein wenig mit Hochverfügbarkeitslösungen auskennt, weiß, dass die genannten Anforderungen auf keinem Fall von einem “Junior DBA” gemeistert werden können. Hierbei handelt es sich klar um Aufgaben, die ein Profi mit vielen Jahren Erfahrungen in der Administration von Hochverfügbarkeitslösungen ausführen sollte. Nur mal von “Log Shipping” oder “Mirroring” gehört zu haben, reicht nicht aus; hier gehört sehr viel Kenntnisse über Backup-Strategien ins Portfolio. Replikation? Welche Art der Replikation ist denn gewünscht? … Liest man sich die Skills durch, soll durch EINEN Anfänger das Wissen von vier Experten abgedeckt werden:

  • dba Operations für 2nd und 3rd Level
    • Security
    • Optimierung
    • Backup / Recovery
    • Configuration
  • Professional DBA / Architekt mit Erfahrung in Hochverfügbarkeitslösungen / Desaster Recovery Lösungen
  • Professional Windows Administrator mit Erfahrungen im Clusterbetrieb
  • BI-Experte für die Bearbeitung von DTS/SSIS Paketen
    (und vermutlich auch SSRS und AS)

für wenig Geld…

Natürlich möchte die Projektagentur mitverdienen. Es sei ihr auch gegönnt; schließlich muss sie die Akquisition betreiben und den Kunden betreuen. Vermutlich darf man bei der oben genannten Ausschreibung wohl nicht ausschließlich der Agentur der “Schwarze Peter” zuzuschieben; vielmehr scheint der Kunde selbst kein Verständnis für die Anforderungen in Verbindung mit den am Markt geforderten Preisen zu haben.

Den Projektagenturen (hier kann man schon pauschalieren) darf man vorzuwerfen, dass sie sich nicht ausreichend mit dem Kunden beraten und die Anforderungen besprechen. Statt mit “ihrem” Kunden gemeinsam die Anforderungen mit dem Markt abzugleichen, wird die Ausschreibung OHNE Prüfung einfach mittels “Copy & Paste” in die Netzwerke verbreitet. Auch würde es nicht schaden, wenn sich der Mitarbeiter der Projektgesellschaft mit den Anforderungen der Ausschreibung etwas intensiver beschäftigt; nur so kann dem Kunden mögliche Erfolgsaussichten bei der Suche gewährleisten! Schaut man sich die Projektbörsen mal genauer an, muss man sich fragen, wer eigentlich von wem kopiert!

Liest man die Anforderungen und hört dann von den möglichen Raten, fällt auf, dass die Projektagentur sich nicht im entferntesten mit “Wollen” und “Können” auseinander gesetzt hat – das geht natürlich zu Lasten des Kunden. Nur ein wenig eigene Recherche durch den Mitarbeiter der Projektgesellschaft und man wird man schnell feststellen, dass die Anforderungen einen – wirklichen – Spezialisten erfordern und überhaupt nicht von einem “Junior” zu meistern sind. Sollte der Kunde dennoch auf seine Preisvorstellungen bestehen, wäre es der Projektgesellschaft anzuraten, eher mal auf ein Geschäft zu verzichten, als um jeden Preis einen “Kopf” auf die ausgeschriebene Stelle zu suchen/setzen!

If you pay peanuts you get monkeys!

Ich habe diesen Spruch von einem lieben Freund aufgegriffen; und er trifft das oben beschriebene Problem zu 100%. Die Projektagentur/der Kunde muss sich einfach im Klaren sein, dass Experten durch viele Jahre Erfahrung und durch entsprechende Zertifizierungen ihr Wissen gefestigt haben. Das die oben beschriebene Aufgabe nicht durch einen “Spezialisten” mit 2-3 Jahren Berufserfahrung zu meistern ist, sollte jedem Einkäufer klar sein. Auch eine Projektagentur sollte nicht immer nur auf den – kurzfristigen – Umsatz schauen sondern realistisch hinterfragen, was passiert, wenn was passiert. Eine Eigenschaft, die heute – im Zeitalter des schnellen Euro – wohl nicht mehr zeitgemäß zu sein scheint.

Der Projektmarkt ist überschaubar; die seriösen Projektbörsen sind bekannt – und somit der Wettbewerb groß. Eine Projektgesellschaft, die im Vorfeld Erfolgsaussichten bei Projektausschreibungen bewertet und ggfls. auch mal  verzichtet, wäre eine Bereicherung für den Markt – einzig der Wunsch ist der Vater des Gedanken!

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich für das beschriebene Projekt jemand finden, der sich den Herausforderungen stellt. Mit genau so großer Wahrscheinlichkeit werden anschließend die “Experten” nach den “Spezialisten” gerufen werden; nur ist es dann sehr häufig schon recht teuer geworden. Mir tut der “Spezialist”, der sich den obigen Anforderungen stellt, eher leid; jeder lebt von Erfolgserlebnissen – die sind jedoch für obiges Projekt für einen “Junior” unerreichbar. Davon bin ich überzeugt!

Wer billig kauft, kauft zwei mal– und die GUTEN Experten sind auch nicht blöd; sie kenne ihren Marktwert und kennen den Markt! Werte Projektgesellschaft, werter Kunde – wer/was bleibt dann noch übrig, um die angebotene Position zu besetzen?

Herzlichen Dank fürs Lesen!

Kommentare :

  1. Hallo Uwe!

    Deinen Artikel fand ich so passend und gut runtergeschrieben, dass ich mir dachte ich gebe hier auch mal meinen Senf dazu. Ich denke eines der großen Probleme der "Projektagenturen" ist, dass sich die Mitarbeiter dort oft gar nicht mit dem Thema auskennen und somit auch weder entscheiden können ob der Kandidat der richtige Mann für das ausgeschriebene Projekt ist oder ob die Anforderungen der Kunden überhaupt marktrealistisch sind. In meiner bisherigen Laufbahn haben sich Projektagenturen eigentlich hauptsächlich als Störfaktoren bemerkbar gemacht. Die Anforderungen des Kunden werden zu 50% aufgenommen, davon werden nur 60% verstanden und davon 50% an den Kandidaten weitergegeben der das Projekt schließlich ausführen soll. Was bei diesem "stille Post" Spiel rauskommt kann sich jeder selbst denken. Auch bei den Projektagenturen wird, wie so oft in der IT, an der Ausbildung der Mitarbeiter gespart.

    Viele Grüße

    Frank

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  2. Da ich längere Zeit für eine Projektagentur tätig war kann ich meinem Vorredner nur zustimmen. Es ist genau so, dass man eigentlich keine Chance hat für den Kunden ein zufriedenstellendes Ergebnis zu liefern.

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  3. Hier noch mehr Peanuts, die man in Anfragen findet - ehrlich: UNGEHEUERLICH!


    für einen meiner rennomierten Kunden südlich --- suche ich asap einen Systemdadministrator mit Schwerpunkt SQL-Server mit Erfahrung in Clusterumgebung.

    Erforderliche Kenntnisse:

    - Fundierte Kenntnisse im Bereich SQL Server 2005/2008.Betrieb und 2nd/3rd Level Support
    - sehr gute Kenntnisse im Bereich Windows Cluster Server

    - Erfahrung im administrativen Bereich innerhalb einer Microsoft Windows Infrastruktur(Active Directory) und Grundkenntnisse Exchange 2010
    - Fundierte Kenntnisse im Bereich Server Hardware (ideal wären HP und DELL)
    - Fundierte Kenntnisse Windows Server 2008/2012
    - Gute Kenntnisse im Bereich Citrix XEN-Server(wäre wünschenswert) und oder Hyper-V
    - Gute Kenntnisse im Bereich Batch-/Scriptsprachen mit Schwerpunkt Windows Powershell und oder VB-Script

    Projektstart: ASAP (telefoninterviews gerne noch diese Woche)
    Projektdauer: Min. 6 Monate + Option
    Projektort: ---
    Stundensatz: 50-60 Euro/Stunde all in

    Sollte dieses Projekt ihr Interesse geweckt haben, freue ich mich auf die Zusendung ihres CV´s im Word Format.


    Was soll man dazu noch sagen? Sollte sich jemand wirklich zu diesem Stundensatz für diese Arbeit anbieten, ich könnte es nicht glauben! Was denken sich die EInkäufer bei solchen Angeboten?

    "Hey, der Freelancer soll doch froh sein, dass er ein so langes Engagement bekommt?"
    "Es ist eine Gnade, für uns arbeiten zu dürfen?"

    Was soll man dazu noch sagen? Sollte sich jemand wirklich zu diesem Stundensatz für diese Arbeit anbieten, ich könnte es nicht glauben!

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  4. Auf die Projektausschreibung...

    "Infrastructure
    Plan and build up the initial scope in DC Frankfurt,
    incl. Bare metal
    Specialist SQL and logical build,
    installation of SQL on Windows"

    erhielt ich dann die folgende Stellungnahme (gut, daran ist, dass grundsätzlich eine Stellungnahme erfolgte!)

    "Hallo Herr Ricken,

    ich denke wir haben vom Stundensatz her ein Problem. SQL Spezialisten werden zwischen 65-85 al in angeboten. Natürlich haben Sie eine ausgezeichnete Ausbildung und der Status einer von 7 SQL Top Spezialisten ist sicher ein Verkaufsargument. Aber mein Kunde braucht dieses Edel-Addon nicht wirklich.

    Bitte verzeihen Sie meinen Vergleich aber auf einem 70PS golf brauche ich keine Alu’s mit VR-Reifen. Sieht schön aus, braucht man aber nicht."

    Hochverfügbarkeitslösungen in einem Rechenzentrum erwarten keine Spezialisten mit entsprechendem Know How?
    Die richtige Installation eines SQL Server entscheidet maßgeblich über die Performance - nicht wichtig?
    Na ja - ein treffendes Beispiel, wie die Agentur oder der Kunde die Wichtigkeit unterschätzt!

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  5. Hallo zusammen,

    interessantes Thema und interessante Kommentare.
    Da diese Thematik jedoch nicht neu ist, würde ich die Diskussion in die lösungsorientierte Richtung bringen wollen.
    Was kann wie verbessert werden, um das Schnittstellenproblem zu lösen?
    IT-Experten bei Personaldienstleistungen anstellen? Das fände ich eine spannende Idee, allerdings liegen Ihre Stundensätze dann deutlich unter 60€ :-)

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  6. Und noch eine Ausschreibung von Heute: Ob der Kunde auch weiß, dass er einen Junior will?

    (Junior-) Microsoft SQL Server Datenbank & Infrastruktur Consultant

    Projektbeschreibung:
    •Sie arbeiten mit bei der Konzeption und Umsetzung von anspruchsvollen Lösungen im SQL Server Datenbank Umfeld
    •Sie sind Teammitglied bei Projekten, die bspw. Migrationen, Hochverfügbarkeit, Backup und Recovery, Performance-Analysen, physischem Datenbankdesign oder Datenbank-Monitoring betreffen
    •Sie übernehmen die technische Seite der Betreuung der Kunden vor Ort sowie den Unterhalt der SQL Server Datenbank Infrastruktur
    •Sie erhalten für Ihre Aufgaben Unterstützung in Form von Aus-/Weiterbildung und Vorbereitung durch uns

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  7. Hallo Herr Ricken,

    Sie spreche mir aus der Seele, leider gibt es immer irgendjemanden, der noch billiger sich verkauft als der Markt es zuläßt. Dies führt dann leider zum Effekt, daß der Kunde denkt, immer so preiswert einkaufen zu können. Wer sich zu billig verkauft, hat vielleicht das Projekt kurzfristig gewonnen, sorgt aber dafür, daß der Preis runtergeht.
    Dann gibt es noch die netten Spielchen Tagessatz, aber für 8,5 Stunden, 2% Skonto verpflichtet und eine Obergrenze von 50 Tagen pro Quartal.Die 0,5h mehr tun vielleicht einem Freelancer, der von auswärts in FFM arbeitet nicht "weh", entspricht aber 5,8% Mehrarbeit bzw. der Freelancer bekommt 5,8% weniger. Die 2% Skonto tut einer Bank nicht weh, im Gegenteil bei der EZB gibt es weniger, also hat man so auf einen Schlag mal 7,8% eingespart. Da nun alles nur noch über eine Agentur läuft, hat diese auch ein Druckmittel die Preise zu drücken. Ein Tagessatz von 720 all-in für Senior Kapazitäten entspricht dann einem Stundensatz von ziemlich genau 83 Euro (720/8,5 - 2% Skonto).
    Hat man das Pech über einen kleineren Lieferanten angeboten zu werden, der neben der eigenen Marge noch die Hauptlieferanten zahlen muss gehen da dann noch 15-20 Euro weg, je nach Leidensfähigkeit. Somit sind wir denn bei 80,70 Euro (700/8,5 - 2% Skonto), welche beim Freelancer landen.
    "Ja ist ja schön, daß Sie PMP zertifiziert sind, aber deswegen können wir nicht mehr bezahlen". Das was du hier so passend zu deiner Qualifikation schreibst ist leider fast üblich. Man nimmt gerne Senioren, möchte aber nur noch Junior-Gehalt bezahlen.

    Der Einkauf hat dann das Ziel erreicht, und ob die Qualität dann stimmt, ist eine andere Frage.

    Ein großer Chemiekonzern arbeitet so: Der Einkauf legt 4-5 Profile der Fachabteilung vor, OHNE den Preis zu nennen. Diese legt sich auf den Kandidaten fest. Damit ist dann zumindest initial gewährleistet, daß NICHT primär nach Preis, sondern nach Qualifikation eingestellt wird. Im Ende spart der Kunde nämlich, wenn er lieber etwas mehr Geld für einen Profi ausgibt, aber diese Einstellung ist nicht überall verbreitet. Der Spruch von John Ruskin ist eben immer wieder richtig, auch wenn er schon aus dem letzten Jahrhundert stammt.

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